OTZ - Chemiewerk mit Großinvestition

Das Werk in Bad Köstritz erweitert für 13,7 Millionen Euro seine Kieselsäure-Produktion. Das Vorjahr schloss das Unternehmen mit einem Rekordumsatz ab. Das lohnt sich auch für die 250 Mitarbeiter.

Aus seinem Büro kann Dr. Volker Damrath ziemlich gut auf die Großbaustelle schauen. Das Bad Köstritzer Chemiewerk plant auf seinem Gelände eine Großinvestition. Für 13,7 Millionen Euro, davon 14 Prozent EU-Förderung, soll die Kieselsäure-Produktion um ein Drittel gesteigert werden, berichtet der Geschäftsführer.

"Es ist eine der größten Investitionen am Standort", erklärte er. Derzeit würde an der Kapazitätsgrenze produziert. "Wir haben keine Freiräume mehr und etliche Wochen Lieferzeit". Und Kunden würden schon ihre Nachfrage beim Chemiewerk auf die erweiterte Produktion ausrichten. "Wir gehen davon aus, dass die neuen Kapazitäten schnell ausgelastet sind". Die in Köstritz hergestellten flüssigen Kieselsole werden unter anderem für das feine Polieren von Siliziumscheiben (so genannten Wafern) verwendet. Allerdings nicht für die Solarindustrie, sondern nur für die Elektronikbranche, die diese Wafer zu Chips für Smartphones oder Computer weiterverarbeitet.

Drei der 13,7 Millionen Euro seien für die zusätzlich nötige Wassereinigung und -aufbereitung verplant, sagte Damrath. Damit wird nach der Erweiterung kein zusätzliches Wasser benötigt. Auch entstünden keine neuen Emissionen in Luft und Wasser. Zudem verwendet das Chemiewerk, das jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht, ab 2013 neben der Energie aus dem eigenen Blockheizkraftwerk nur noch Ökostrom vor allem aus Biomasse und Wasserkraft.

Ende 2011 wurde begonnen, für die Erweiterung das Baufeld zu ebnen und Bohrungen vorzubereiten. Denn da die Region als Erdbebenzone, wenn auch mit dem geringsten Grad, gilt, müssen Pfähle 30 Meter in die Erde gerammt werden. Die neue Produktion soll im zweiten Halbjahr 2013 starten.

Das Vorjahr war nach 2010 wieder ein Rekordjahr. Mit 51,3 Millionen Euro stieg der Umsatz um 15 Prozent. Der Exportanteil betrug 70 Prozent. Der Gewinn sei laut Damrath noch deutlicher als der Umsatz gestiegen. Und er blickt verhalten optimistisch auf das Jahr. "Ich glaube an keine Rezession", sagte er und rechnet mit einem leichten Umsatzanstieg. 

Weiterhin sucht das Unternehmen nach einem Standort für die Kieselsäure-Produktion im "Dollar-Raum", um in Wachstumsmärkten unabhängiger von Währungsschwankungen zu sein. Doch ein Standort sei noch nicht gefunden. "Dieser soll auch Köstritz sichern", sagte Damrath. Denn für große Erweiterungen gebe es keinen Platz mehr. Derzeit gibt es 250 Beschäftigte, darunter 16 Auszubildende. Mit Erweiterung sollen bis zu zehn Arbeitsplätze entstehen.

Die Eigentümerfamilie des Werkes stammt aus Deutschland und lebt in den USA. Die Mehrheit halten Kurt Leopold und Tochter Michaela, die nach ihrem Wirtschaftsabschluss in Harvard in leitender Tätigkeit in einem internationalen Kosmetikkonzern arbeitet und einmal das Werk übernehmen soll.

Vom Wachstum profitieren nicht nur Eigentümer und Werk, sondern regelmäßig auch die Mitarbeiter: Diese würden laut Damrath demnächst mit 380 000 Euro am Erfolg beteiligt werden. Auch das ein neuer Rekordwert.

Die Produkte

  • flüssige Kieselsole u.a. zum Polieren von Siliziumscheiben
  • pulverförmiges Kieselgel beispielsweise zur Bierstabilisierung
  • Molekularsiebe u.a. zum Trocknen und Reinigen von Gasen
  • Schwefelverbindungen u.a. als Flüssigdünger