Aus seinem Büro kann Dr. Volker Damrath ziemlich gut auf die Großbaustelle schauen. Das Bad Köstritzer Chemiewerk plant auf seinem Gelände eine Großinvestition. Für 13,7 Millionen Euro, davon 14 Prozent EU-Förderung, soll die Kieselsäure-Produktion um ein Drittel gesteigert werden, berichtet der Geschäftsführer.
Drei der 13,7 Millionen Euro seien für die zusätzlich nötige Wassereinigung und -aufbereitung verplant, sagte Damrath. Damit wird nach der Erweiterung kein zusätzliches Wasser benötigt. Auch entstünden keine neuen Emissionen in Luft und Wasser. Zudem verwendet das Chemiewerk, das jährlich zehn Millionen Kilowattstunden Strom verbraucht, ab 2013 neben der Energie aus dem eigenen Blockheizkraftwerk nur noch Ökostrom vor allem aus Biomasse und Wasserkraft.
Ende 2011 wurde begonnen, für die Erweiterung das Baufeld zu ebnen und Bohrungen vorzubereiten. Denn da die Region als Erdbebenzone, wenn auch mit dem geringsten Grad, gilt, müssen Pfähle 30 Meter in die Erde gerammt werden. Die neue Produktion soll im zweiten Halbjahr 2013 starten.
Das Vorjahr war nach 2010 wieder ein Rekordjahr. Mit 51,3 Millionen Euro stieg der Umsatz um 15 Prozent. Der Exportanteil betrug 70 Prozent. Der Gewinn sei laut Damrath noch deutlicher als der Umsatz gestiegen. Und er blickt verhalten optimistisch auf das Jahr. "Ich glaube an keine Rezession", sagte er und rechnet mit einem leichten Umsatzanstieg.
Die Eigentümerfamilie des Werkes stammt aus Deutschland und lebt in den USA. Die Mehrheit halten Kurt Leopold und Tochter Michaela, die nach ihrem Wirtschaftsabschluss in Harvard in leitender Tätigkeit in einem internationalen Kosmetikkonzern arbeitet und einmal das Werk übernehmen soll.
Vom Wachstum profitieren nicht nur Eigentümer und Werk, sondern regelmäßig auch die Mitarbeiter: Diese würden laut Damrath demnächst mit 380 000 Euro am Erfolg beteiligt werden. Auch das ein neuer Rekordwert.
Die Produkte
Schulleiter Meier berichtete, dass eine erste Betriebspartnerschaft nicht wie gewünscht lief. Und danach viele Unternehmensklinken geputzt wurden, bis die Schule auf das Chemiewerk stieß. "Da gab es auch Momente, wo wir dachten; Na gut, dann haben wir eben im Moment Pech gehabt", erzählte Meier. Unternehmen hätten entweder keine Kapazitäten oder seien zu klein trotz des absehbaren Fachkräftemangels.
Zwar habe das Chemiewerk, das etwa 250 Mitarbeiter hat, schon eine Kooperation mit der Köstritzer Regelschule. Doch wollte Damrath sich noch eine aktivere Partnerschule suchen. Zudem habe die IGS eine gymnasiale Oberstufe und sei der Geraer Einzugsraum größer. Nach den ersten Gesprächen stand für Damrath fest: "Das passt." Auch Vize-Elternsprecher Kai Schulze sprach von einem sehr guten Projekt. Die Eltern hatten sich selbst zuvor nach Betrieben erkundigt. Doch das ist erst einmal zurückgestellt, auch weil weder Chemiewerk noch IGS weitere Patenschaften anstreben. Schulleiter Meier verspricht sich von der Kooperation zudem, dass das teils "dürftige Wissen" von Schülern, aber auch Lehrern oder Eltern zum Berufsleben erweitert werde.
Beim Chemiewerk mit derzeit 17 Auszubildenden drehte sich die Bewerberlage in zwei Jahren: Habe es im Vorjahr noch um die 50 aussagekräftige Bewerbungen gegeben, seien es für dieses Jahr bisher 25. "Und das bei einem verfünffachten Aufwand von uns. Aber bald gehen viele Mitarbeiter in den Ruhestand", sagte Personalreferent Ingolf Pauli. Dazu kamen die Bewerbungen vor allem aus Sachsen-Anhalt. Geraer Bewerber fehlen dagegen weitgehend.
Wie bereits in den Vorjahren überzeugten Auszubildende des Chemiewerks durch herausragende Leistungen in ihrer Ausbildung.
So schlossen im Januar 2011 Georg Gammisch, Uwe Heger und Robert Krieg ihre Ausbildung zum Chemikanten mit „Sehr Gut" ab, wobei Georg Gammisch als Jahrgangsbester in seinem Ausbildungsberuf von der IHK im November geehrt wurde. Die CWK erhielt eine Auszeichnung als besonders anerkannter Ausbildungsbetrieb.
Im Fachbereich Metalltechnik der Berufsschule Technik Gera wurde im Dezember der Auszubildende Maik Gittel (Industriemechaniker im 4. Ausbildungsjahr) für seinen Berufsschulabschluss mit der Note 1,1 vom Schulförderverein ausgezeichnet.
Sogar mit der Note 1,0 schloss die Auszubildende zur Chemielaborantin, Susann Leppin, ihre Berufsschulausbildung an der SBBS Jena-Göschwitz ab.
Auch unsere weiteren 8 Auszubildenden des 4. Ausbildungsjahres zeigten bisher ausnahmslos gute und sehr gute Leistungen. Für ihre praktische Prüfung im Januar 2012 wünschen wir ihnen viel Erfolg.
Nach erfolgreichem Abschluss werden alle 10 Auszubildenden dieses Ausbildungsjahres ein Weiterbeschäftigungsangebot erhalten.
(Bilderbeschreibung vlnr: Susann Leppin, Maik Gittel, Georg Gammisch)
Am Sonnabend fand in Bad Köstritz der symbolische Spatenstich für das neue Vereinshaus statt. Dafür schaute der Sponsor und Chemiewerk-Chef aus den USA vorbei und zeigte seine Verbundenheit zur Stadt.
Im Hintergrund gewannen gerade die Bad Köstritzer D-Junioren gegen Zeulenroda mit 4 zu 1. Davor wurde am Sonnabend der symbolische Grundstein für die Zukunft des Bad Köstritzer Sportplatzes gelegt.
Sogar mit Tochter und Enkel kam dafür Kurt Leopold zum Bad Köstritzer Sportplatz Am Drehling. Der in den USA lebende Hauptgesellschafter des Chemiewerkes Bad Köstritz war zwar eigentlich wegen des 180. Jubiläums seines Werkes gekommen.
Doch da das Chemiewerk mit rund 200 000 Euro ein Drittel zum neuen Vereinshaus, oder wie es dann offiziell heißt: Ballsport- und Kegelzentrum, beisteuert, durfte der 73-Jährige an dem Tag gleich den ersten Spatenstich ausführen auch wenn der Bau erst nach Winterende starten soll. Die Gründe dafür: Ausschreibungen zum Jahresende hin seien gewöhnlich günstiger und der Bau soll so gelegt werden, dass möglichst wenig Störungen im Spielbetrieb auftreten, erklärte der Bad Köstritzer Bürgermeister Dietrich Heiland (CDU). Aus diesem Grund fehlten auf der Bautafel auch noch die Namen der Baufirmen.
"Die Unterstützung ist auch ein Zeichen meiner Verbundenheit mit Bad Köstritz", erklärte Leopold, der noch ein weiteres Unternehmen in Kalifornien besitzt und alle paar Monate in seinem Chemiewerk vorbei schaut. Leopold zeigte sich bei seinem ersten Besuch auf dem Bad Köstritzer Sportplatz auch beeindruckt vom schlechten Zustand des bisherigen Vereinshauses. Zu Ehren des Geldgebers wird dabei die Sportstätte am Drehling dann Kurt-Leopold-Sportstätte heißen. Das Geld "hätte unserer Haushalt auf absehbare Zeit nicht aufbringen können", betonte Bürgermeister Dietrich Heiland im Beisein von Thüringens Sozialministerin Heike Taubert (SPD), die schon vor einigen Wochen bei der Übergabe von 15 000 Euro aus Lottomitteln für die neuen Flutlichtmasten am Sportplatz vorbei schaute.
Bis zum Winter 2012 soll dann das neue Vereinsgebäude, das über Umkleiden und Duschen für bis zu vier Fußballmannschaften sowie über vier Bahnen für Sportkegler verfügen soll, spätestens stehen, sagte der Bürgermeister.
SV Elstertal-Vereinsvorsitzender Jürgen Winter hofft dabei schon auf eine Einweihung zum Start der Wintersaison und erinnerte daran, dass die Anstrengungen für den Neubau zehn Jahre dauerten. Viele Jahre seien dabei vergeblich Fördermittelanträge gestellt worden, ergänzte Gerd Börner, Vorsitzender des Vereins TSV Elstertal, zu dem die Abteilung Kegeln gehört.
Am Samstag, dem 27.08.2011, veranstalten wir zum ersten Mal einen Tag der offenen Tür. Sie sind herzlich eingeladen.
Chemiewerk Bad Köstritz erneut größter Sponsor für Dahlienfest - Dahlienkönigin gesucht
Die kleine Bühne auf dem Markt ist auch zum 33. Dahlienfest vom 2. bis 4. September in Bad Köstritz gesichert. Zum vierten Mal sponsert das Chemiewerk (CWK) Bad Köstritz zudem den technischen Aufwand und künstlerische Darbietungen. Doch gesucht wird noch eine Dahlienkönigin.
Obendrein steht die Zusage, wie in der Vergangenheit so auch künftig das maßgeschneiderte Kleid der Dahlienkönigin zu bezahlen. "Das setzt voraus, dass wir eine Nachfolgerin finden", sagt Chemiewerk-Geschäftsführer Dr. Volker Damrath und warb gestern dafür, dass sich junge Köstritzerinnen im Kulturamt der Stadtverwaltung melden mögen.
Eine dritte Verbindung zwischen dem größten Köstritzer Arbeitgeber und dem größten Stadtfest soll zudem am Krönungsabend hergestellt werden. Weil die Chemiewerker eine Woche später das 180-jährige Bestehen des Unternehmens feiern, sind sie mit dem Kulturamt auf der Suche nach Dokumenten und Anekdoten aus der Werksgeschichte. Jene will man am 2. September präsentieren. So soll es sogar parallel zum Dahlienfest Ausstellungen im Sozialgebäude des Werkes gegeben haben.
"Was wären Kultur und gesellschaftliche Anlässe ohne Gönner, Mäzene und Sponsoren?", fragt Bürgermeister Dietrich Heiland (CDU) rhetorisch, um zu bekennen, dass er froh sei, es mit einem "stabilen Partner" zu tun zu haben. Dass er sich als solcher nicht nur beim Feiern sieht, unterstrich der Firmenchef. "Weil es dem Chemiewerk gut geht, kann auch die Stadt leben", sagte Damrath mit Blick auf die Gewerbesteuer und meinte vor der geplanten Erhöhung per Stadtratsbeschluss am Donnerstag: "Was sich verändern wird, werden wir begleiten". Dass der Betrieb als Sponsor wirken kann, erklärt der Geschäftsführer mit dem Rekordjahr 2010. Die Einschätzung gelte nicht nur für den Umsatz, sondern auch für das operative Ergebnis. "Das ist der Erfolg aller Mitarbeiter".
Dass aus dem Dahlienfest ein Erfolg wird, dafür plant Collage Gera. Vorgestern habe er den Vertrag mit dem "Team 102" für den Dahlienball unterzeichnet, berichtete Maik Michaelis. Wer im Starporträt zum Abschluss am Sonntag auf der Bühne steht, sei noch nicht vereinbart. Dafür gilt als sicher, dass Hortkinder und Erzieher aus der Geraer Kindertagesstätte Schreberweg am Sonnabend um 17.30 Uhr im Saal des Hotels Goldner Loewe auftreten. "Alles rund ums Holz" heißt der Markt im Palaishof und der Bürgermeister kündigte Technikschau und Vorführungen der Freiwilligen Feuerwehr an, die 2011 das 125-Jährige feiert.
Auf die Krise folgt das beste Jahr des Chemiewerkes Bad Köstritz. Das Unternehmen erzielte 2010 einen Rekordumsatz von 44,7 Millionen Euro, nachdem er 2009 um ein Viertel eingebrochen war.
Die voriges Jahr in Betrieb genommene 17 Millionen Euro teure Anlage versetzt das Unternehmen in die Lage als einziger Hersteller in Europa bindemittelfreie Molsiebe herzustellen. Der Verzicht auf den Kleber erhöht die Wirkweise der winzigen Siebe.
Voll ausgelastet wurden die Kieselsäureanlagen im Vorjahr und selbst die Lager waren ausverkauft. Kieselsol findet vielseitige Verwendung. Bei der Herstellung von Lacken, Lebensmitteln und Papier zum Beispiel und auch für das Polieren von Wafern.
Den Absatz der Schwefelverbindungen hilft der Fünf-Jahres-Vertrag mit dem SKW Piesteritz sichern. Das Unternehmen bezieht Thiosulfate für die Landwirtschaft. Von einem "sehr guten Ergebnis" kann der Geschäftsführer auch sprechen, weil mit dem Blockheizkraftwerk Energiekosten beherrschbar geworden sind.
Trotz der Erfolgsnachrichten sorgt sich der Chef, ob sich für altersbedingt ausscheidende Mitarbeiter Nachfolger finden.
Am 3. August 1831 wurde die Saline "Heinrichshall" eingeweiht. Dieser Tag gilt als Geburtsstunde des Chemiewerkes. 1845 entwickelte sich daraus eine chemische Fabrik. Sie produzierte Soda, Salzsäure und Schwefelsäure. 1909 stellte die Saline ihre Arbeit ein. Der Erste Weltkrieg brachte das Werk fast zum Erliegen. 1918 wurde die Produktion nach Übernahme durch die Harkortschen Bergwerke und Chemische Fabriken A.-G. wiederbelebt. Schwefelsäure war ein Hauptprodukt. 1927 verkaufte man zum Schrottpreis an die Zschimmer & Schwarz OHG. Am 1. Juli 1948 ging das Werk als VVB (Z) ALCID, Chemische Fabrik Heinrichshall, in Volkseigentum über. Mit Mühe wurden die Schwefelsäureproduktion stabilisiert und eine Produktionslinie für Düngemittel errichtet. 1962 legte man die Schwefelsäureproduktion still. Später entstanden Anlagen für Kieselgele und Fotochemikalien auf Basis eigener Verfahren. Ab 1981 lösten Kieselsäure, Molekularsiebe und Schwefelverbindungen die Düngerproduktion ab. 1989/90 entstand eine GmbH der Treuhand. Schmerzhaft war die Entlassung von über 300 Arbeitskräften. 1992 erreichte die Mitarbeiterzahl mit 129 ihren Tiefstand.